Dr. Klaus Wiener

Fridays for Future - neun Fragen

Neun Fragen von Fridays for Future rund um die Themen Klimawandel, Kohleausstieg und alternative Energien

1.Was für einen Einfluss hat die Klimakrise auf Ihr eigenes Leben (privat)? Wie haben sie darauf reagiert? (Ernährung umstellen, Energie, etc.)

Mich treibt der Klimawandel schon seit langem um. Unser Haus, das wir 2004 in Haan erworben haben, haben wir zügig komplett energetisch saniert. Wir haben zwei Solaranlagensysteme eingerichtet (Solarthermie 2005; Photovoltaik 2011), eine Frischwasserstation und einen wasserführender Kamin eingebaut sowie Außenwände, Dach und Keller neu gedämmt. Damit haben wir unseren Energiebedarf auf ein Drittel reduziert. Zudem bin ich als Geschäftsführer 20 Jahre lang nicht mit dem Auto, sondern mit dem Zug zur Arbeit gefahren (40 km Fahrstrecke). Dies habe ich nicht aus Begeisterung über den Zustand des Transportsystems Schiene getan, wohl aber aus Überzeugung. Zudem bin ich Besitzer eines E-Autos und eines E-Fahrrades. Was meine Ernährung angeht, so bin ich kein Vegetarier. Fleisch gibt es bei uns zu Hause aber nur selten und dann auch nur aus artgerechter Tierhaltung.   

2.  Welchen Stellenwert hat der Kohleausstieg im Vergleich zu anderen Klimaschutzmaßnahmen? Bis wann soll aus der Kohle ausgestiegen werden?

Der Kohleausstieg ist ein gesamtgesellschaftlicher Kompromiss, der Rücksicht auf die sozialen Strukturen der betroffenen Menschen nimmt, aber gleichzeitig auch zu mehr Klimaschutz führt. Der Abschlussbericht der dazu eingesetzten Kommission ist trotz Sondervotums der Umweltverbände am Ende auch mit den Stimmen dieser beschlossen worden, was ich sehr befürworte. Spätestens 2038 ist Schluss mit Strom aus Kohle. Das ist gut für Klima, Natur und Umwelt in Deutschland. Ganz wichtig ist aber, dass auch andere Staaten aussteigen. Allein China hat einen Anteil von 50 % an der weltweiten Kohleförderung.

3. Welchen Stellenwert haben Wälder heutzutage? Darf überhaupt noch gerodet werden, oder unter welchen Umständen. Bitte in höchstens zwei Sätzen Stellung beziehen zum MERCOSUR-Abkommen.

Unsere Wälder sind Alleskönner in Sachen Klima-, Umwelt- und Naturschutz. Nicht umsonst hat die Bundesregierung 700 Mio. € aus dem Corona-Hilfspaket in die Unterstützung der Wälder und Waldbauern gesteckt. Dazu kommen die Fördermittel aus den Ländern. Dürren und Schädlinge haben unserem Wald auch bei uns vor Ort deutlich zugesetzt. Da müssen wir auch weiterhin dran bleiben und uns kümmern. Als Union wollen wir mit Instrumenten wie dem Emissionshandel auch Kohlenstoffsenker wie den Regenwald honorieren und damit Schwellenländern einen Anreiz geben, beim Klimaschutz mitzuhelfen. Mit Blick auf MERCOSUR müssen wir auch moderne Handelspolitik als wirksames Instrument einsetzen, hohe Standards und wirksame Maßnahmen für den Klimaschutz global durchzusetzen.

4. Muss/Sollte der Kreis Mettmann sich durch Solar- und Windenergie selbstversorgen? Sollten Gesetze, die dem aktuell im Weg stehen geändert werden, bzw. welche?

Ein deutlicher Ausbau alternativer Energien ist für den Kreis Mettmann wünschenswert. Ich sehe hier großes Potential vor allem in Sachen Solarthermie und Photovoltaik. Bei den Windkraftanlagen müssen wir als eine gute Balance zwischen den Schutzinteressen der Anwohner und dem erforderlichen Ausbau der Windkraft finden.

 5. Wie sollte der Modal Split (Fahrrad, Auto, ÖPNV, zu Fuß) im Kreis optimalerweise aussehen? Wie sollen Strecken von ca. 150 bis 500 km zukünftig zurückgelegt werden?

Der ÖPNV sowie Radstrecken werden bereits bundesweit, aber auch bei uns vor Ort gefördert. Das muss auch in Zukunft weiterhin passieren. Ich persönlich nutze bereits seit 30 Jahren ganz überwiegend die Bahn für den Weg zur Arbeit. Dennoch muss jedem selbst die Wahl des Verkehrsmittels überlassen werden. Von Verboten, Bevormundung oder Quoten halte ich nichts. Besser ist die Weiterentwicklung umweltfreundlicher Antriebssysteme und Energiequellen, auch weil wir globale Lösungen brauchen.

6. Wie sollen die Klimaziele auf lokaler Ebene erreicht werden?

Der Kreis Mettmann hat bereits 2019 ein ambitioniertes Konzept für den Klimaschutz vorgelegt und dies immer weiterentwickelt. Auch die Städte bei uns im Südkreis sind in Sachen Klimaschutz sehr bestrebt. Ein Beispiel: Langenfelds CDU-Bürgermeister Frank Schneider hat schon 2009 - lange vor Fukushima - Klimaschutz zur Chefsache gemacht und ist im Rathaus mit fünf hauptamtlichen Mitarbeitern in diesem Bereich sehr aktiv - das geht von der langfristigen Ausrichtung der Verkehrsplanung bis zum Gesamtkonzept Biodiversität. Mit der neuen Nutzung der Wasserburg Haus Graven als Bildungszentrum für Klima- und Umweltschutz, insbesondere für Kinder und Jugendliche, wurde hier ein wichtiger Meilenstein auch in Sachen Weiterbildung gesetzt.

 7.  Welche Instrumente sind nötig und angemessen um die Klimakrise auch erfolgreich zu bekämpfen? (Anreizsysteme, Besteuerung, Zertifikatehandel, Verbote, etc.)

 Wie in Frage 3 ausgeführt braucht es einen ausgewogenen Instrumentenmix, um im Mehrebenensystem die Menschen zu erreichen. Als Volkswirt bevorzuge ich das Instrument des europäischen bzw. globalen Emissionshandels für die Verringerung des CO2-Ausstoßes. Feste CO2-Preise werden den unterschiedlichen Bedürfnissen der Länder und Unternehmen nicht gerecht. Wichtig ist, dass wir Klimaschutz global denken. Nur wenn wir auch die großen Emittenten von Treibhausgasen mitnehmen können, haben wir eine echte Chance für eine Verbesserung des Klimas.

8. Die Schäden und Tode durch das Hochwasser sind mindestens anteilig der Klimakrise zuzuschreiben. Welchen Stellenwert haben Klimafolgenanpassung und Katastrophenschutz?

Der Katastrophenschutz ist und war schon immer enorm wichtig. Richtige Maßnahmen wie Dämme haben vielerorts noch größere Katastrohen verhindern können. Dennoch hat diese furchtbare Naturkatastrophe uns gezeigt, dass wir besonders in Sachen Koordination und Frühwarnsystemen Nachholbedarf haben. Erste Maßnahmen dafür wie der Aufbau eines neuen Nationalen Kompetenzzentrums Bevölkerungsschutz unter Einbeziehung von Hilfs- und Rettungsorganisationen, sind bereits angelaufen. Wichtig ist mir aber, dass wir jetzt erstmal den betroffenen Menschen helfen, wieder auf die Beine zu kommen. Auch wenn die Katastrophe aus den Nachrichten nach und nach verschwindet, so brauchen viele Menschen immer noch unsere Hilfe.

9. Wie sollen MAPAs, die von der Klimakrise am stärksten betroffenen Personen und Gebiete, entschädigt werden?

Das Klimaschutzgesetz ist jüngst in Kraft getreten. Damit hat sich Deutschland ehrgeizige Ziele gesetzt. Aber der Blick nach außen muss immer Teil unserer Wahrnehmung sein. Die deutsche Entwicklungspolitik setzt sich daher weltweit für umfassendes Risikomanagement und einen geeigneten Wissenstransfer ein. Dieser ganzheitliche Ansatz verbindet Strategien und Maßnahmen zur Reduzierung von Katastrophen- und Klimarisiken. Er trägt zum einen dazu bei, den zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen. Zum anderen werden auch andere Extremereignisse, wie biologische Bedrohungen (zum Beispiel Epidemien nach Hochwasser) oder auch industrielle Gefahren (zum Beispiel Kernschmelze nach Tsunami), berücksichtigt. Ziel ist es immer an erster Stelle, Menschenleben zu schützen, ökonomische und ökologische Schäden zu reduzieren und Lebensgrundlagen zu sichern.